Vitiligo, auch als Weißfleckenkrankheit bekannt, ist eine erworbene chronische Hauterkrankung, bei der milchig-weiße Flecken auf der Haut entstehen. Über die Inzidenz existieren keine einheitlichen Informationen, schätzungsweise sind 1-2% der Weltbevölkerung betroffen. Wahrscheinlich liegt die Inzidenz deutlich höher, da bei weitem nicht alle Fälle erfasst werden.
Es existieren 3 verschiedene klinische Verlaufsformen der Vitiligo
Vitiligo vulgaris
Vitiligo vulgaris oder auch generalisierte Vitiligo ist die häufigste Form und betrifft das gesamte Integument in einer meist symmetrischen Verteilung.
Vitiligo segmentalis
Bei der Vitiligo segmentalis zeigt sich meist eine unilaterale oder bilaterale Verteilung entlang von Dermatomen.
Vitiligo focalis
Bei der Vitiligo focalis sind eine oder mehrere isoliert stehende Depigmentierungen zu beobachten.
Klassisches klinisches Bild einer Vitiligo vulgaris
Die genaue Ursache ist bislang nicht eindeutig geklärt. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um eine klassiche Autoimmunerkrankung handelt, bei der körpereigene Abwehrzellen die pigmentbildenden Zellen angreifen und zerstören. Eine weitere Therorie ist, dass oxidativer Stress zu dem Untergang der pigmentbildenden Zellen führt. Höchstwahrscheinlich ist es eine Kombination aus beiden Theorien. Vitiligopatienten weisen Autoantikörper gegen Melanozyten und erhöhte Konzentrationen von Wasserstoffsuperoxid auf, welches ein Marker für oxidativen Stress ist. Welcher Mechanismus dabei der Initiator ist, ist ungeklärt.
Lange Zeit dachte man, dass in der läsionalen Haut keine Melanozyten mehr nachweisbar sind, allerdings konnte gezeigt werden, dass weiterhin Melanozyten vorhanden sind, die jedoch einen Funktionsverlust aufweisen.
Vitiligo kann in jedem Lebensalter auftreten und zeigt einen sehr individuellen Verlauf. Während sich die Erkrankung bei manchen Patienten langsam ausbreitet, bleibt sie bei anderen stabil oder bildet sich sogar zurück. Eine frühzeitige dermatologische Untersuchung ist daher entscheidend, um den Krankheitsverlauf zu beurteilen und geeignete Behandlungsmaßnahmen einzuleiten.
Die Diagnose von Vitiligo erfolgt durch eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung und ist meist einfach zu stellen. Bei helleren Hauttypen erleichtert der Einsatz von Wood-Licht die Beurteilung, welche die betroffenen Areale deutlich sichtbar macht. Prof. Karin Schallreuter und ein Team aus amerikanischen und deutschen Wissenschaftlern konnten zeigen, dass in der Haut von Vitiligopatienten bestimmte Substanzen (oxidierte Pteridine) gebildet werden, die zu einer klassischen Fluoreszenz unter dem Wood-Licht (UVA 351nm) führen. Dieses Phänomen ist bei anderen Erkrankungen, die mit Hypo- oder Depigmentierungen einhergehen, nicht nachzuweisen .Zudem kann diese je nach Krankheitsaktivität variieren. Des Weiteren klären wir In einem Gespräch mögliche Risikofaktoren ab – etwa familiäre Vorbelastung oder Schilddrüsenerkrankungen.
Die Entdeckung der Fluoreszenzfähigkeit von Vitiligo wurde 1994 in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht (Schallreuter et al. 1994)
A: Vitiligo der Augenlider im sichtbaren Licht.
B: Charakteristische Fluoreszenzmuster der gleichen Läsion bei der Untersuchung mit Woodlicht (UVA 351nm)
(Mit freundlicher Genehmigung von Prof. KU Schallreuter)
Es gibt inzwischen verschiedene Behandlungsoptionen, die je nach Krankheitsaktivität und betroffener Körperoberfläche angepasst werden können. Unter anderem führt Dr. Katharina Rübsam die Arbeit von Prof. Karin Uta Schallreuter und dem Institut für Pigmentationsstörungen fort. Nach einer Erstvorstellung und sorgfältiger Diagnostik wird ein individualisierter Therapieplan festgelegt. Frau Prof.Schallreuter wird mit ihrer langjährigen Expertise weiterhin beratend zur Seite stehen.
Topische Kortikosteroide
Protopic® 0.03–0.1% (Tacrolimus) | keine zugelassene Therapie, off-label-use: Calcineurininhibitoren reduzieren die T-Zell-vermittelte Inflammation. Keine Hautatrophie, kann als Nebenwirkung zu lokalen Hautreizungen führen
Opzelura® 1,5% (Ruxolitinib)
Janus-Kinase-Hemmer
moduliert Zytokinsignalweg
erste offiziell zugelassene Therapie bei Vitiligo vulgaris ab dem 12. Lebensjahr
Indikationen: Vitiligo mit Gesichtsbefall, zu behandelndes Areal maximal 10% der Körperoberfläche
PCKUS (Pseudocatalase + Schmalband UVB) | Reduziert Wasserstoffperoxidspiegel in der Haut (H₂O₂) und damit oxidativen Stress und führt somit zu Repigmentierung. Gute Ergebnisse an Körper und Gesicht, limitierter Effekt an Händen und Füßen. Kombination mit nierdigdosiertem Schmalband UVB (311nm).
Wirkmechanismus
Die erhöhten Wasserstoffperoxidspiegel werden mittels einem äußerlich aufgetragenen Pseudokatalasekomplex reduziert. Die Pseudokatalase wird über eine kurzzeitige Bestrahlung mit UVB 311nm in ihre aktive Form überführt.
Key studies
Schallreuter et al., 2002: A combination of Dead Sea climatotherapy + PCKUS resulted in faster repigmentation than climatotherapy or placebo.
Schallreuter et al., 2008 (children, n = 71): ≥75% repigmentation in 66% of patients after 12 months.
Hautpflege, welche Q10 (Ubiquinon) enthält. Die aktuelle Studienlage weist darauf hin, dass die Anwendung von Q10-haltigen Externa eine Vitiligo verschlechtern kann.
Stress - leichter gesagt als getan. Aber es konnte gezeigt werden, dass Stress einen erheblichen EInfluss auf die Krankheitsaktivität hat.
Vermeidung von Verletzung oder ausgeprägter Druckbelastung. Viele Patienten berichten von einem Koebner-Phänomen, bei dem es in mechanisch beanspruchten Arealen zu Depigmentierungen kommt.
Vermeiden Sie das Rauchen, es konnte gezeigt werden dass Nikotinabusus zu einer Verschlechterung der Vitiligo führen kann, insbesondere perioral.